Dieter allein unterwegs oder einmal Auenland und zurück (Juni 2015)

Hier geht es direkt zum Film….

Ich hol mal etwas weiter aus…..
Hier geht’s nur um die Vorbereitung. Wem‘s zu öde ist, der darf gerne zu den ersten Fotos springen.

Die Idee

Jedes Jahr fährt unser MC-Midlifecrisis eine Woche eine gemeinsame Tour. Meistens darf ich die auch planen nachdem wir gemeinsam beschlossen haben wohin.
Letztes Jahr haben mir die Jungs ganz vorsichtig beigebracht, dass sie keine Zeit für eine große Tour haben. Es wurde also ein verlängertes Wochenenden in den Vogesen. Das war übrigens herrlich wie es im Forum zu lesen steht.
Da ich die Woche Mopped zum Aufladen brauche habe ich dann beschlossen eine Woche alleine unterwegs zu sein. Das hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht. Klar war ich schon auf Geschäftsreisen oder eben mit den Jungs unterwegs. Aber eine ganze Woche ohne Termine mit Menschen die man schon kennt. Das hatte ich noch nie. 😕
Ich bin also selber gespannt wie es wird.
Die beste aller Sozias und Ehefrauen hat natürlich sofort zugestimmt. 😀 😀
Sie kann leider nicht mit denn eine schulpflichtige Tochter gibt es noch und Urlaub wäre bei ihr auch schwer drin.
Wie der regelmäßige Leser ja weiß bin ich ein Pedant und Kontrollfreak :ugeek: . Also nichts mit einer Woche ins Blaue. Zu meiner Rechtfertigung sei noch erwähnt, dass die Vorbereitung und Planung schon ein Drittel der Freude ausmacht.
Also erst mal das Ziel auswählen. Ich dachte mir ein wenig leichter Schotter wäre nett, da das mit den Jungs bzw. ihren Moppeds nicht geht. Bei der letzten Alpentour haben wir zufällig den Idro See gestreift. Dann hab ich noch ein Foto von Armin (Gavia) gesehen. Ein bissel geschaut und den Passo Maniva entdeckt.
Also gebongt. Der Idro See und Umgebung soll es sein.

Die Planung

Das reicht aber lange nicht als Planung!
Eigentlich könnte man ja alleine locker losfahren und sich eine Übernachtungsmöglichkeit suchen wenn man denn da ist. Ich habs auch versucht. Ehrlich! Aber ich fühl mich dabei nicht wohl. Und schließlich geht’s ja darum, dass ich Spaß habe. Und planen macht mir Spaß. 😀
Also den Hinweg mit einer Übernachtung (nähe Bodensee) planen. Denn ich hasse Autobahn mit dem Mopped. Also wird die ganze Woche ohne Autobahn geplant.
Die zweite Etappe soll dann ans Ziel führen. Nach einigem Suchen ist eine schöne Unterkunft gefunden. In Anfo direkt am See und an der Auffahrt zum Maniva.
Naja, jetzt bleiben ja noch einige Tag vor Ort. Könnte man einfach mal drauf los fahren……..
Aber da könnte man ja was verpassen. Also Tagestouren planen. Was soll ich sagen. Ich habe für jeden Tag eine passende Tour. Dabei hab ich Schotter und jede Menge Sackgassen geplant, denn ich bin ja allein unterwegs.

Übrigens sind es jetzt noch locker zwei Monate bis zur Abfahrt.

Zwischendurch lese ich von der Planung von Wolf und Pascal zum Thema Mongolei. Das ist mal Abenteuer! Aber die sind zu zweit und habe eine ganze Begleitcrew…..
Aber das wäre nix für mich. Weichei bleibt in Europa und kann nicht Hardenduro.
Dann fixen mich Pascal und Micha noch mit dem Thema Drohnen (ja ich weiß Pascal, Multicopter!) an. Michas Lösung könnte ich noch unterbringen :geek: . Aber nein. Dann muss ich deren Einsatz und Verwendung ja auch noch planen. Und ich hab noch nicht mal die Videos zur Herbsttour geschnitten.
Meine technische Ausrüstung mit der Beschränkung aufs Nötigste:

Das Wetter
14 Tage vor Abfahrt beginnt der gespannte Blick auf die Wetter App. Erst heißt es durchwachsen. Je näher die Abreise rückt desto mieser werden die Aussichten. Ich bin doch alleine unterwegs. Warum also nicht einfach umplanen? Gut die 100,- Anzahlung für den Garden-Grill wären futsch, aber immer noch besser als im Regen sitzen.
Also auf geht’s auf Alternativsuche. Immer abwechselnd das Strömungsbild, den Motoplaner und das Forum für Informationen durchsuchend (Multimonitor sei dank. Hm. Evtl könnte man das Tab und den PC mitnehmen und als Multimonitor nutzen) schaue ich nach Elbsandsteingebirge, Tschechien, Polen, Slovenien…
Es scheint als soll ganz Nord-Europa unter einem Regengebiet liegen. Ich kann ja alles Mögliche variieren, aber leider nicht die Woche um die es geht.
Also weiter in den Süden. Da fällt mir der zweite Gebirgszug in Italien ins Auge. Der Apennin! 💡
Sieht gut aus. Herrliche Gegend, tolle Strecken, Schotter. Was will man mehr. Wetter soll auch passen. Evtl. ein paar Tropfen zwischendurch die von dem Tief über Nordeuropa über die Alpen gekrabbelt sind.
Also Planung angepasst. Erste Übernachtung am Bodensee. Zweite am Lago Idro und dabei den Maniva mitnehmen. Dann geht’s in den Apennin. Da gibt’s übrigens auch die Toskana. Menschen meines Alters vor allem aus der Politik und der zugehörigen Toskana-Fraktion bekannt. Prominentester Vertreter ein gewisser Joschka Fischer.
Eine Unterkunft ist nach einigem Suchen auch gefunden. Mittendrin im Niergendwo eine hergerichtete Mühle. Nur über Schotter erreichbar. :L
Und der Rückweg? Den hab ich noch nicht geplant! (Dafür hab ich meine 17“ mobile Workstation dabei)
Das war der Vorlauf. Reisebericht folgt.

Samstag 20.06.2015
Es geht los!
Schon der Abschied ist anders als sonst. Zumindest gefühlt. Eben alleine unterwegs. Das Wetter ist durchwachsen aber trocken. Tatsächlich hab ich es geschafft eine Strecke Richtung Alpen zu finden die ich noch nicht auswendig kenne. Planung ist doch nicht so verkehrt. :mrgreen:
Nach ca 50 km halte ich auf irgendeinem Feldweg im Kraichgau und ziehe meine Regenklamotten an. Klingt einfach, ist es aber nicht. Der Feldweg is lehmig und hat schon Nässe. Also passiert beim Bremse ziehen erst mal nix. Aber egal. Haben wir ja in Hechlingen trainiert. Also gekonnt angehalten und die Füße in die Pampe gesetzt. Na prima. Die sollen jetzt durch die Regenhose und in die Silikongaloschen. Also notdürftig gesäubert, dann erst mal die Silikongaloschen drüber und in die Regenhose geturnt. Dabei noch die Schulter verrenkt und durch Gymnastik wieder gelockert. Fängt ja alles super an. 😕

Ich fahre also auf einsamen Straßen durch den tröpfelnden Kraichgau und später über die inkontinente schwäbische Alb. Dabei passiert was ganz perverses. Mir macht das Moppedfahren sogar im Regen Spaß 😮 . Das hatte ich bisher noch nie. Also surfe ich gemütlich weiter, bis der Magen und der Tank gefüllt werden wollen. Bei dem einheimischen Bergvolk finde ich eine geeignete Kombination aus Pferdetränke und Schänke.

Mein Mittagsmahl, natürlich im Freien eingenommen. (Unter dem riesigen Schirm. Ihr wisst schon. Weichei).

Gestärkt, aufgetankt und mit leichtem Sodbrennen geht’s weiter Richtung Bodensee.

Auf irgendeiner Spitzkehre zwischendurch zeigt sich kurz die Sonne. Das Thermometer springt auf 12,6°. Ich überlege sofort anzuhalten und in Badehose weiter zu fahren. Da ist es auch schon vorbei und die Temperaturen sinken wieder auf sommerliche 9,8°. Was für ein Glück. So verrenke ich mir die Schulter nicht beim Ausziehen. (Ihr merkt schon, ich bin Optimist).
Also weiter in der fahrbaren Dusche. Um den Bodensee herum ändert sich das Wetter dann deutlich. Auf einmal gleißender Sonnenschein und 28° 😯 . Nein, das wäre ja auch nichts. Schwitzen auf dem Mopped. Kleiner Scherz. 😀


Von einem ständigen Nieseln mit stellenweise stärkerem Regen geht es in ein heftiges Schütten über. Die Dosenfahrer denken wieder nur ans sich und tuckern mit 30 km/h in der Mitte der Straße aus Angst vor Aquaplaning.
Nach 1,5h Dauerschütten bin ich dann um 17:30 am Hotel. Wie vereinbart melde ich mich telefonisch, da heute eigentlich Ruhetag ist.
Alles Prima. Ich kann meine Klamotten zum Trocknen aufhängen und hab ein schönes Einzelzimmer. Von den 6h und 360km waren mindestens 70 ohne Regen!
Beim Italiener um die Ecke gibt es für eine Einzelperson keinen Tisch. Also esse ich an der Bar eine leckere Pizza.
Später gibt es dann noch den Anruf in der Heimat. Sonst reicht auch eine Kurznachricht. Aber wenn man alleine unterwegs ist, macht sich die Familie ja sonst sorgen, also besser mal anrufen.

Sonntag 21.06.2015
Vorsicht ich schweife ab.
Frühstück gibt es hier ab 7:00 Uhr. Für mich als Frühaufsteher echt prima. Als ich punkt 7 zum Frühstück erscheine ist die Servicedame total aufgelöst 😮 . Obwohl bestellt wurden keinerlei Backwaren geliefert.
Was soll‘s. Kein Grund zur Aufregung. Ich setze mich in den glasüberdachten Frühstücksraum und genieße den Rhythmuswechsel der ständig variierenden Regentropfen. 😉
Das schreibe ich nur wegen der Dramatik. In Wirklichkeit habe ich ein super Frühstück und wundere mich was eigentlich fehlen soll. Brötchen, Crossaints, Wurst, Käse, Joghurt, Obstsalat. Alles da was ich brauche.

Nach ausführlichem Frühstück packe ich ein und steige in die frisch getrockneten Klamotten. Dabei genieße ich den Luxus mich auf einem Stuhl im Trockenen sitzend (Optimist) in die Regenklamotten zu zwängen. Den Temperaturvorhersagen folgend ziehe ich mal lieber eine Fleecejacke drunter. Gestern hat‘s mich ein wenig gefröstelt und heute geht es immerhin auf >1.500m. Ich muss euch nicht erklären, dass ich durchgeschwitzt bin bis ich auf dem Mopped sitze.

Beim Trocknen habe ich übrigens festgestellt, dass ich neben den Sommerhandschuhen (HaHa) meine Winterhandschuhe eingepackt habe. Eigentlich sollten das die Übergangshandschuhe sein, denn die Winterhandschuhe nutze ich nicht mehr seit ich Griffheizung habe. Als ich jetzt in strömendem Regen losfahre danke ich als Atheist mir selbst dafür :mrgreen:. Die Winterhandschuhe sind zwar ziemlich warm, aber eben auch 100% Wasserdicht.

Heute geht es in insgesamt 4 Länder. Österreeich, Schweiz, Lichtenstein und Italien. Mal sehen ob sich der Regen an den Ländergrenzen ändert.
Ich genieße tatsächlich wieder die Fahrt. Dank Sonntagmorgen und Dauerregen habe ich alle Straßen für mich alleine. Ich sollte also in Zukunft immer versuchen sonntags morgens bei Dauerregen zu fahren. Nein, noch ein Scherz. So weit geht der Optimismus doch nicht.
Da ich aber so alleine vor mich hin surfe kann ich tatsächlich faszinierende Beobachtungen machen. Die Ampeln in der Schweiz zum Beispiel. Dies scheinen bei Verkehrsstille grundsätzlich alle auf Rot zu schalten. Dann haben die wohl aber einen Nährungssensor und schalten ganz gemächlich auf Grün wenn man in die Nähe kommt. Ist das jetzt echt eine prima Schweizer Sache oder fange ich an durchzudrehen? 😯

Ganz sicher sind aber zwei Dinge. Die Schweiz ist das einzige Land das noch pedantischer als Deutschland ist (also eigentlich mein Land). Alles ist genauestens und säuberlichst. Das merkt man echt wenn man über die Grenzen an einem Tag fährt. In der Schweiz liegt kein Müll rum, der Rasen ist exakt abgelängt, die Straßen sind ausgebaut. Das einzige was die Schweizer schlechter machen als wir ist der Bitumen. Damit sind sie großzügig und lassen auch gerne mal das abstreuen sein. Sorgt bei einsamen Regenfahrern für Unterhaltung und ist gut gegen Langeweile. Bei Regen rutscht man da gerne mal ein wenig zur Seite. Ist aber beruhigt, da man ja weiß, es sind nur schmale Streifen. Da gibt’s dann clevere Straßenbauer, die habe genau vermessen wie lange so ein Mopped in der Kurve braucht um sich wieder zu fangen. Genau dort kommt dann der nächste Bitumenstreifen. So ist für Unterhaltung und Spannung gesorgt.

Und dann fängt das Übel an. Das Wetter wird besser. Also keine Sonne, kein Gedanke. Aber kein Regen mehr. Invasionsartig fallen Autos, Moppeds und vor allem Busse über die Passstraßen her.
Hier zeigen sich verschiedene Stammesrituale ganz deutlich. Der Stamm des kleinen Bergfolkes (Schweizer) ist gelassen und hat es nicht eilig. D.h. 10 km/h unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit sind absolut ausreichend. Dank der Gelassenheit stört sich aber keiner daran, wenn er vom hektischen Deutschen überholt wird. Danke dafür!

Der andere Stamm, der ignoranten Riesendosentreiber (Busfahrer) ist da schon ein anderes Kaliber. Gerade in Spitzkehren oder auf Passstraßen ist dieser grundsätzlich der Meinung ihm gehöre die Straße alleine. Das führt dazu, dass er grundsätzlich die Gegenspur mitnutzt, unabhängig davon, ob sich dort andere Verkehrsteilnehmer aufhalten oder nicht.
Unnötigen Überholversuchen begegnet er mit ungeplantem ausscheren auf die zweite Spur. Ist ja nur logisch, diese gehört ihm ja sowieso.
Zu Glück hatte ich bei einer Begegnung mit einem Vertreter dieser rauen Gesellen, einen Vertreter des gelassenen Bervolkes in seiner Dose vor mir. Der Beschränkte sich auf ein Vollbremsung und endete fast an der rechten Felswand, weil eben ein Bus auf der falschen Spur entgegenkam. Kein Hupen kein schimpfen, sonder einfach witer gefahren. Es war übrigens keine Spitzkehre in Sicht. Der Busfahrer hätte aber lenken müssen um den Schlangenlinien der Straßenführung zu folgen. Das ist eines Busfahrers nicht würdig. Aber ich schweife ab…

Wo war ich eigentlich?

Ach ja auf dem Weg an den Idro See irgendwo in den Alpen in der Schweiz oder Lichtenstein. Wo genau kann ich auch nicht sagen. Dank Navi und Planungswut höre ich auf die magische Stimme in meinem Ohr und hab die meiste Zeit keine Ahnung wo ich bin. Das ist eigentlich schade. Aber nur für euch, nicht für mich. Mir ist es egal, Hauptsache schöne Landschaft, schöne Strecken und schönes Wetter (HaHa). Dank GPS in der Kamera kann ich später auch nachschauen wo ich war wenn es jemand wissen möchte.
Aber ich schweife schon wieder ab…

Kommen wir kurz auf die Strecke zurück:

Es hat nicht nur aufgehört zu regnen, es gibt auch noch Aussicht auf einen Gletscher. Welchen? Wird uns sicher Max später sagen.
Auf diese kleine Parkbucht stach dann auch zielsicher ein Bus. Dabei beinahe mein Mopped streifend und eine KTM einzwängend.
Ich ergriff die Flucht und genoss eine herrliche Auffahrt. Stellenweise konnte ich nicht entscheiden ob es regnete, oder ich einfach innerhalb einer Wolke fuhr und es daher nässte.
Auf einer Passhöhe angekommen ging mein Optimismus mit mir durch. Ich freute mich, dass es regnete und nicht schneite:

Ich wollte mit der guten Kamera und nicht mit dem Handy ein Gipfelfoto mit Schild. Also Handschuhe aus, Helm ab, Regenhaube vom Tankrucksack und da. Ratet mal. Es fing an zu regnen. Das wollte ich meiner Kamera dann doch nicht antun. Also mit steif gefrorenen Fingern und leicht bibbernd alles wieder fahrbereit machen. Vorher ein Gipfelfoto mit dem Handy ohne Schild.

Und als ich wieder losfahren wollte. Ratet wer sich mir in den Weg stellte. Richtig! Ein Bus. Erwähnte ich schon, dass ich Busfahrer nicht mag?.
In diesem speziellen Fall muss ich‘s doch genau schildern.

Ich starte gerade und will auf die Straße einschwenken. Beim Blick nach links sehe ich, das der Bus auch gerade vom Parkplatz losgefahren ist. Er hat ja schon ein Rad auf der Straße und daher natürlich Vorfahrt. Ich suche Augenkontakt und denke als Optimist: „Der lässt mich bestimmt vor“. Er sucht auch Augenkontakt und denkt sich offensichtlich: NICHTS!. Na gut. Er fährt vor und ich überhole den netten Mensch der nichts für seine geistige Armut kann nach ca. 30 Metern.

Der Tag entwickelt sich ab hier richtig gut! Das fahren macht Spaß und es wird immer Trockener. Ich hatte schon überlegt die Schotterpassagen auszulassen, da es ja mir sonst zu rutschig wäre.
Dank meiner genialen Planung komme ich an einem Lidl vorbei der am Sonntag auf hat (Scherz. Das hab nicht mal ich geplant). Hier also der kombinierte Halt. Regenklamotten aus und einkaufen für ein zünftiges Fesper.

Nach dem Einkaufen quetsche ich alles in das hässliche aber praktische Topcase. Dann geht es weiter auf der Suche nach einem netten Haltepunkt.
Jede Menge Moppedfahrende Italiener kommen mir entgegen oder überholen mich auch gerne mal wenn ich in der Schlange stehe. Ich passe mich immer den Eingeborenen an und fahre mit Ihnen an jeder Schlange vorbei. An jeder Ampel wird vorne Platz gelassen, damit die Moppeds einscheren können. Warum nicht überall so.
Auf kleinsten Pässen finde ich die ein oder andere kaputte Straße oder eben extrem schmale Straßen, dafür aber außer mir so gut wie niemanden mehr. Da ich keinen besseren Platz finde wird eben in einer Spitzkehre gestoppt und im Stehen gefespert. Ist eh mal ganz gut nicht zu sitzen.

Nach dem leckeren Essen geht’s weiter. Mittlerweile bin ich wieder wie im Rausch. Das ist der Grund fürs Moppedreisen. Auf dem Mopped in schöner Gegend auf anspruchsvollen Strecken vor sich hin fahren. Wenn ich nicht alleine unterwegs bin, sind die Jungs hinter mir da manchmal überlastet.
Bis zur Schotterpassage am Maniva geht es ohne Pause weiter. Dort angekommen ist mir dann doch ein wenig mulmig. Auch noch zu viel Adrenalin wg. der zügigen Auffahrt die an einigen GS oder Aprilia fahrenden Italienern vorbei führte.
Also ein bissl Trinken und entwässern. Dann geht’s weiter.

Hier darf jetzt auch die richtige Kamera das erste mal raus.
Einfach genial hier. Allerdings deutlich zu viel Verkehr. Vom 3er Bmw über die einheimischen Pandas bis zu jeder Menge Moppeds (auch gebückte). Aber egal. Macht trotzdem Spaß.

Danach geht’s über einen kleinen Abstieg direkt an mein Hotel. Dort angekommen fällt mir ein, dass die Wirtsleute darum gebeten hatten ihnen eine Stunde vor Ankunft Bescheid zu geben. Hmmmm egal. Schönes Wetter tolle Aussicht. Also ruf ich an und vertreibe mir die Zeit bis zu Ankunft mit der Beobachtung:


Der Wirt ist schneller da als gedacht.
Megafreundlich schließt er auf und weist mich ein. Ich bin der einzige Gast.

Ich befrage ihn noch wegen des Essens. Am Standort leider nicht. Er empfiehlt mir noch ein Restaurant im Ort, gibt mir ein Willkommensbier aus, dann ist er auch schon weg. Jetzt hab ich dieses komplett neue Haus für mich allein. Sehr stielvoll und modern eingerichtet, alles sehr nett.
Bevor er gegangen ist hat er fast noch entschuldigend gesagt, dass er von der Anzahlung nichts zurückzahlen könne, ich also daher gerne auch zwei Nächte bleiben könne. Ich erkläre, dass ich Richtung besseres Wetter am nächsten Morgen weiter möchte aber natürlich verstehe, dass es nichts zurück gibt.
Nach Auspacken, zum Trocknen aufhängen und duschen geht es also gegen 19:00 Uhr in den Ort. Das Restaurant finde ich auch dank seiner Beschreibung. Ohne hätte ich das nie gefunden.
Alles rein Italienisch. Niemand hier spricht deutsch oder englisch. Dank Speisekarte und internationaler Gerichte (Spaghetti Bolognese, Insalata Mista, Tiramisu, Cappucino) wird es ein leckerer Abend, aber ein einsamer. Um mich herum tobt der Bär. Die zahlreich anwesenden Italiener unterhalten sich lautstark über alles Mögliche. Auf dem Mopped ist es leiser.
Nach dem Essen geht’s zurück zu meiner einsam gelegenen Herberge. Jetzt ist es mir doch ziemlich öde. Einziger Gast, keine Wirtsleut rund herum nix (außer letzte Moppeds und Autos).
Naja, ich „muß“ ja noch die Familie anrufen. Danach geht’s mit dickem Schädel (Das Wilkommensbier auf nüchternen Magen) ins Bett.
TomTom meldet 304 km und 5:44 in Bewegung.

Montag 22.06.2015
Ab ins Apennin.
Nach einer unruhigen Nacht (weil weit und breit allein?) bin ich wie immer früh wach und, was soll ich sagen. Es regnet NICHT.

Der helle Fleck oben in Bildmitte nennt sich Sonne.

Ich fange schon mal an zu Packen. Pünktlich um 8:00 gehe ich runter.
Da hat schon eine Mitarbeiterin extra für mich ein Frühstück aufgefahren. Mit frischer Wassermelone, Salami, Käse, Brötchen, Joghurt etc. Am Büffet wie sich das gehört. Hätte sie mir auch gleich alles auf den Tisch stellen können, schließlich bin ich der einzige Gast. Nach dem Frühstück versuche ich mich noch mit ihrem Kaffeekannen großen Hund anzufreunden. Der beißt, oder besser zwickt mich in die Hand. Eigentlich mögen mich alle Hunde.

Egal. Nach dem packen geht’s los. Aus lauter Gewohnheit hätte ich beinahe die Regenklamotten angezogen. Aber NEIN heute fahre ich das erste Mal trocken los. An der ersten Bushaltestelle tausche ich die Winterhandschuhe (hatte doch nicht an alles gedacht) gegen die Sommerhandschuhe. Boh wie Geil!
Ich schlängle mich durch den recht heftigen Verkehr runter und die Ebene zwischen Alpen und Apennin. Auch hier habe ich mir eine trecke komplett ohne Autobahnen geplant.
Ich genieße in vollen Zügen. Bei den alle 30 Minuten auftretenden sanften Biegungen, Kurve wäre übertrieben, jauchze ich „Hurra Kurve“ in den Helm, denn ich bin ja Optimist.
Mir gefällt der Streckenabschnitt wirklich. Ist bisschen wie Ostfriesland auf Droge. Eine meiner Lieblingsurlaubsregionen übrigens, nicht Droge sondern Ostfriesland. Alles platt. Weit und breit nix. Mitten drin Tanke ich. Hier ist nix außer der Tanke. Die ist aber hypermodern und mit zwei Leuten besetzt.
Weiter geht’s Richtung Apennin.

In den ersten Ausläufern des selben zieht es zu. Ich habe Hunger und Durst. Also geht’s auf den überdachten Parkplatz eines Supermarktes. Ich kaufe mir Mineralwasser und eine Packung Kekse. In aller Ruhe schaue ich im Trockenen dem Regen zu. Dann geht es ein zweites Mal in den Supermarkt. Eine meiner Regengaloschen hat ein Loch. Da hilft mein Kabelbinder nix. Mit Ducktape ist das ganze schnell geflickt. Es hat aber wieder aufgehört zu regnen. Ich fordere das Schicksal heraus und fahre ohne Regenklamotten weiter.
Es folgt eine etwas karge aber faszinierende Landschaft. Tatsächlich der Südpfalz, die oft als Toskana Deutschlands bezeichnet wird, nicht ganz unähnlich.

Ich genieße die Regenfreie Zeit und mache öfter Fotostopps und nehme mir Zeit.

Wer ganz genau hinsieht erkennt es auf den Blüten. Na was ist das? (Regentropfen)

Weiter geht es über anspruchsvolle Straßen. Nicht wegen der Streckenführung, die ist nett, eher wegen der Straßenverhältnisse. Bitumen gibt es hier nicht. Das ist gut so!
Dafür gibt es Löcher, mal versetzt es die Straße um 20cm, mal fehlt der Belag für ein paar Meter komplett. Also etwas langsamer dran gehen.
Auf einem Pass wird es wieder so dunkel und stürmisch, dass ich meine Regenklamotten anziehe. Klappt immer besser. Ich bekomme tatsächlich etwas Bammel, als mein Mopped von einer Böe fast umfällt.

Kurz nach dem Umziehen, schüttet es. Ich entwickle mich so langsam zum Regen-Experten.
Was folgt ist ein wenig wie im Märchen, oder eben im Auenland. Die Straßen werden immer schmaler. Sind von dichtem Grün umringt. Das Grün hängt mitunter bis gegen meinen Helm. Trotz, oder vielleicht gerade wegen dem Regen hat es eine anheimelnde beruhigende Wirkung. Die Luft riecht auch herrlich.
Die Anfahrt zu meiner Unterkunft habe ich mir ganz genau angeschaut, da diese sehr eigen ist. Keine befestigten Wege, ziemlich steil. Zum Glück gibt’s auch im Auenland Streetview.
Ich finde die Unterkunft auf Anhieb. Auf dem nassen, mit Gras durchwachsenem Schotter sind die Bremsen fast ohne Wirkung. Hätte wohl das ABS ausschalten sollen.
Als krönender Abschluss erwartet mich eine schmale Steinbrücke. Ich schaue mir das erst mal an. Na gut, muss wohl. Ordentlich Schwung und drüber. Klappt ganz gut, nur die Kurve auf der anderen Seite bekomme ich nicht ganz. Einmal zurücksetzen also.

Die Wirtin begrüßt mich schon auf dem Hof aufs herzlichste und erklärt mir, ich könne mein Mopped direkt unters Vordach am Eingang stellen. Denn ich bin der einzige Gast.

Die Fahrräder sind so klein wegen der Hobbits.

Jetzt bin ich endgültig im Auenland angekommen. Das Anwesen ist komplett alleinstehend in einer Senke und war mal eine mit Wasserkraft betriebene Mühle. Alles ist total liebevoll hergerichtet und mit Komfort versehen.
Die Wirtin spricht mindestens so gut Englisch wie ich, so ist auch die Konversation möglich. Schon beim Buchen wurde ich per Mail gefragt, ob ich auch gerne bei Ihnen zu Abend essen wolle. Natürlich gerne.
Jetzt ist es mir fast ein bisschen peinlich. Als einziger Gast. Ich frage wann es denn etwas gäbe. I erklärt mir wann immer ich wolle. Falls ich gleich (16:00) Hunger hätte kann Sie mir natürlich auch schnell etwas Brot, Käse und Salami bringen. Ich verneine und frage ob 18:00 Uhr fürs Essen OK sei. Mir ist schon klar, dass der Italiener eher spät isst, aber ich hab Hunger und will dann zeitig ins Bett weil ich ziemlich platt bin.

Nach auspacken und duschen streife ich noch ein wnig durchs Gelände, denn es regnet gerade nicht.

Die Brücke hat es mir angetan.
Die Hobbithöhle mit dem für mich gedeckten Tisch.

Bilbos Quartier


Dann setze ich mich zu Tisch und komme aus dem Staunen nicht mehr raus.
Die Vorspeise:

Was im Bild noch fehlt sind in Teig frittierte Basilikumbblätter und grüner Spargel aus dem eigenen Garten.
Natürlich bekomme ich alles genau erklärt. Alles einheimische Spezialitäten.
Der Zwischengang:

Eine Mischung aus Nudeln und Pfannkuchen mit hausgemachtem Pesto.
Sorry. Nur Handybilder. Ich war abgelenkt.
Der Hauptgang

Natürlich ein lokales Speziallamm. Besonders Lammig. Bestimmt super, aber ich stehe nicht so auf Lamm. Daher habe ich ein bissl dran geknabbert um die Wirtin nicht zu enttäuschen, habe aber gesagt, es war nicht so meins.
Die Nachspeise:

Himbeersorbet aus selbst gepflückten Waldhimbeeren. Mir läuft gerade beim Schreiben noch mal das Wasser im Mund zusammen.
Danach bekam ich auch noch meinen obligatorischen Cappucino. Also war der Tag gerettet.
Nach dem Essen hab ich dann mein Büro aufgebaut und die Wettervorhersagen in allen erreichbaren regionen studiert. Regen, regen, REGEN, ReGeN.
Nach langem Überlegen kam ich zu dem Entschluss einen Tag Pause zu machen. Wenn nicht hier, wo dann.
Abends dann noch der Anruf zu Hause. Ja ich geb‘s zu, nicht wegen der Familie, sondern wegen mir. Viel auch etwas länger aus um den Frust weg zu telefonieren und vom Auenland zu berichten.
Dank dessen könnt ihr jetzt schon lesen und wird der nächste Tag ausführlich Hobbingen gewidmet. Schon vorweg: UNBEDINGT EMPFEHLENSWERT!
Und die Statistik: 249 km 4h23min in Bewegung

Dienstag 23.06.2015
Feuchte Fahrpause
Nach reiflicher Überlegung mache ich heute einen Tag Fahrpause. Für heute sind im Auenland Unwetter angesagt. Auch die nähere Umgebung inkl. dem ligurischen Meer glänzt mit Mistwetter.
Also, warum bin ich alleine unterwegs. Damit ich mache was ich will.
Ich hatte gedacht evtl. wieder etwas mehr zu lesen. Will mich in letzter Zeit nicht mehr so dafür begeistern, obwohl das bis vor ein paar Jahren eines meiner liebsten Hobbys war. Ich hab sogar etwas Platz verschwendet und ein neues Buch (so richtig aus Papier) eines meiner Lieblingsschriftsteller mitgenommen.
Aber ich hab keine Lust. Und das Motto lautet: „gemacht wird was Spaß macht“. Ich hab Lust zu Fotografieren und zu schreiben.
Also baue ich mein Büro auf und streife durch die Mulino. Abwechselnd wird fotografiert und der Reisebericht geschrieben.
Adriana (Die Wirtin) wird sich denken, der lange Deutsche hat ne Macke. Fährt 1000km und diese wunderschöne Gegend und vergräbt sich dann mit dem Notebook im inneren der Höhle.
Das Wetter…

erfüllte die Vorhersage

Aber im Haus ist es nicht unbedingt unspannend.
Einer der drei alten Mühlsteine. Es konnten also drei unterschiedliche Mehlsorten gleichzeitig hergestellt werden.

Die Elektroinstallation ist NICHT antik. Die ist 2009 komplett neu gemacht. Die hübschen braunen Kordeln sind die Kabel.

Ihr merkt schon, ich bin eher praktisch veranlagt.

Ich hab länger überlegt, ob ich soll, aber ich finde es faszinierend.
Die Klobürste hier ist viel moderner, fortschrittlicher und hygienischer als bei uns :ugeek: :

Aber zurück zu erfreulicheren Dingen.

Gegen Mittag hab ich die herrliche, vom Regen gewaschene Luft auf der überdachten Terrasse genutzt. Dazu ein kleiner Imbiss aus lokalen Spezialitäten.

Dabei entdeckte ich auch eine der lokalen Spezialitäten die ich am Abend des Vortages schon in anderer Form kennengelernt habe.

Halt. Nein. Falsches Foto. Dazu später mehr. Ich meinte natürlich dieses hier:

Das andere Foto zeigt einen meiner Freunde, die über die Mittagszeit die wenigen Sonnenstrahlen genossen haben.
Da hab ich ausführlich mit meiner neuen Kamera gespielt.

Ein weiterer Freund wurde dann auch der Hofhund. Eine kräftige Mischung mit irgendwas vom Rottweiler dabei. Als ich mit dem Mopped ankam wurde ich noch laut bellend des Platzes verwiesen. Heute habe ich ihn dann eingeladen mich auf der Terrasse zu besuchen und ihn ordentlich gekuschelt. Seit dem kommt er an sobald er mich sieht. Besser als der Chihuahua (mit so einem Rassenahmen kann das ja nix werden. Komplexbehaftetes Kleingetier) am Idro-See.
So plätschert die Zeit herrlich entspannt vor sich hin. Nach 1,5 h Sonne schüttet es dann auch wieder wie aus Eimern. Zum Glück. Sonst hätte ich es noch bedauert mich nicht aufs Mopped gesetzt zu haben.
Ich entdecke noch Lutz (Frodos Pferd). Sieht tatsächlich so aus wie ich es mir vor dem Film immer vorgestellt habe.

Und dann ist auch schon wieder Zeit für ein vier Gänge Menü.
Ich verschone euch jetzt mit den Handyfotos. Die sind aus lauter Gier auch ganz unscharf. Ich habe heute eigentlich beim Hauptgang (Hähnchenfilets mit Pilzen aus dem Wald) die Segel gestrichen obwohl ich noch nie so aromatische Pilze im Mund hatte. Adriana hat mich aber zum Dessert geködert, indem Sie mir nochmal eine Kugel des göttlichen Himbeersorbets anbot, dass ich gestern schon hatte.
Die hab ich mir dann halt reingequält.
Am Abend gab‘s den obligatorischen Telefonabgleich mit zu Hause.
In wilder Vorfreude auf das prognostizierte Traumwetter und das Meer am nächsten Tag bin ich dann eingeschlummert.

Mittwoch 24.06.2015
Sonne und Meer
Leichtsinnigerweise hatte mich Adriana gefragt wann ich gerne Frühstücken würde. Mit 7 Uhr hatte Sie nicht gerechnet. Sie hat dann auf 7:30 verschoben.
Schon beim Aufstehen genieße ich das herrliche Wetter in vollen Zügen. In der Nacht hat es nochmal heftig geregnet und gerumpelt. Kurzzeitig ist sogar die Notbeleuchtung angesprungen, was mir in der Nacht nicht wirklich sinnvoll erscheint. Ich war auch leicht verwirrt. Jetzt ist absolut klare Luft und Traumwetter bei ca. 13 Grad. Für mich perfekt.
Nach einem prima Frühstück mache ich mich zeitig auf den Weg. Schon auf den ersten paar Metern habe ich meine totale Ruhe. Nur ein Raubvogel fliegt aufgeschreckt einige Meter vor mir her. Ich hoffe das habe ich auf Video.

Ich genieße in vollen Zügen Luft, Landschaft und Kurven. Die Straßenverhältnisse finde ich sehr angenehm, allerdings für reine Straßenfahrer mitunter gewöhnungsbedürftig.
Es gibt jede Menge kleine und kleinste Straßen, aber eben mit schlechtem, ganz schlechtem oder keinem Belag. Das wechselt auch gerne mal mitten in der Kurve ohne Vorankündigung.
Ich wedle freudig Richtung ligurisches Meer. Als es dann das erste mal auftaucht ist das schon wieder fast wie im Märchen.

Ich liebe das Meer grundsätzlich heftig. Egal welches. Dann noch diese Kombination. Macht glücklich! Mit dem Zoom meiner Kamera schaue ich mir schon mal an, wo ich zweites Frühstück machen will.

In Monterosso al Mare bin ich gegen 10:30. Ganz braver Deutscher will ich in dieser Tourihochburg mein Mopped nicht vorschriftswidrig abstellen. Da es überall verboten ist, fahre ich auf den kostenpflichtigen beschrankten Parkplatz. Daer Parkwächter kommt aufgeregt angelaufen, als ich eine Parkbucht suche. Er erklärt mir, dass es mit dem Mopped nun wirklich Quatsch ist und schickt mich kostenlos wieder raus und zeigt mir einen Stellplatz direkt am Meer.
[u]Moppedsuchbild:[/u]

Zooooooooooooooooooooooooommmmm

Ich bummel die doch sehr touristische Promenade entlang. Die Italiener haben schon Sommerferien. Es wird minütlich voller.
Es gibt wohl schlimmere Jobs, auch wenn das schiefe Meer alles etwas erschwert.

In einem schattigen Strandcafe genieße ich Wasser+Cappucino+Panini mit Tomate Mozarella. Dabei natürlich noch ein paar Fotos.

Ein Traum!
Nach der Zwischenmahlzeit geht’s weiter an der Küste lang. Ist hier leider nur selten direkt an der Küste. Aber trotzdem himmlische Straßen.

Danach folgt der kleine geplante Offroad-Einsatz.

Eigentlich hatte ich für gestern eine ganz kleine Runde mit relativ viel Schotter geplant. Die viel ja aber dem Regen zum Opfer. Nun bin ich nicht ganz sicher, ob ich mich hier alleine trauen soll. Hier ist es wirklich erstaunlich ruhig. Bedeutet aber eben auch keine Hilfe in der Nähe. Aber egal. In Deutschland kann man ja nirgends legal, also dann eben hier und jetzt.
Der Einstieg ist heftig steil, danach geht’s genauso steil bergab. Dank meiner Körpergröße ist mein Kopf im Stehen oft im Grünzeug, was die Sache auch nicht gerade erleichtert.
Ich muss gestehen zeitweise hab ich Schiss. Ich überlege umzudrehen. Geht aber zum Glück nicht, ist zu steil. Also kämpfe ich mich ca. 5km durch -für mich- heftigen Schotter. Einige Offroadies hier werden darüber nur lächeln, aber ich fand’s heftig. Vor lauter Aufregung vergesse ich zu fotografieren. Schlimmer noch. Die eine Filmkamera filmt nach dem ersten Buckel nur noch den Motor, die andere meinen Bauch.

Ich hab dann später ein Foto von einer ähnlichen Strecke gemacht.

Alles klappt. Mich legts auch nicht.
Hier mal ein Einwurf für die Offroad und Schotter Liebhaber. Fahrt in die Toskana, bzw nach Ligurien! Jede Menge ganz legaler Wege. Die bestimmt so anspruchsvoll wie alles was ich in Hechlingen gefahren bin. Zu einem großen Teil sogar in Streetview und mit dem TomTom als Route planbar!
Begeistert geht es etwas aus der Puste weiter. Es folgen immer wieder Fotostopps und geniale Aussichten.

Der perfekte Tag endet genial auf der Terasse der Mulino bei einem zünftigen Vesper. Denn Mittwochs wird hier nicht gekocht. Ich konnte Adriana aber dazu überreden mir etwas im Kühlschrank stehen zu lassen. Neben frischer Melone und Wurst, Käse hat Sie mir auch noch ein Tiramisu reingestellt.
180 km bin ich gefahren und war dafür 5h in Bewegung. Jeder hat riesen Spaß gemacht.
Morgen startet die erste Etappe der Heimreise.

Donnerstag 25.06.2015
Tschüß Auenland
Ich hab gestern Abend schon zum größten Teil gepackt um heute möglichst früh los zu kommen. Morgens ist meine Lieblingszeit. Mit Adriana hab ich auch vereinbart, dass ich nur ein paar Früchte und ein Joghurt Frühstücke, so dass ich nicht auf Sie warten brauche. Meinen Tee mach ich mir eh selber.
Zur Abrechnung und Verabschiedung sehen wir uns dann natürlich noch. Die Abrechnung muss ich hier noch extra erwähnen. Ich hatte:
3 x Übernachtung
2 x individuelles 4 Gänge Menü
3 x Frühstück
2 x großes Vesper
Wasser und Wein so viel ich wollte.
Sie denkt kurz nach und berechnet mir dafür 230,-. Extrem fair wie ich finde! Daher gibt’s natürlich noch ein dickes Trinkgeld.
Mit meinem vollgeladenen Bock über die Brücke bringt mich noch mal kurz ins Schwitzen, dann genieße ich die herrliche Luft am frühen Morgen in dieser herrlichen Landschaft.
Bei der Pinkelpause treffe ich dann auch noch einen Ent. Ich hab nicht danach gesucht. Aber im Auenland kann das schon mal passieren.

Am Rande des Apennin kann man die Aussicht noch mal genießen und in der Ferne die Alpen erahnen.

Ich cruise wieder ganz entspannt durch das Flachland zwischen Apennin und Alpen. Natürlich sind Autobahnen tabu.
Die Planung für diesen Tag habe ich nicht so umfangreich gemacht wie sonst. Jetzt rächt sich das gerade. Entlang des Iseosees fahre ich fast ausschließlich durch Tunnel und noch dazu auf etwas Autobahnähnlichem. Bei den aktuellen Temperaturen und dem Verkehrsaufkommen absolut ätzend. In den Tunneln ist die Luft leicht gelb und gute 5° wärmer als draußen.
Das sind also die Nachteile wenn man nicht so pedantisch wie sonst plant.
Zum Ausgleich bekomme ich aber wenig später auch die Vorteile zu spüren. Auf ganz schmalen Straßen, die teilweise schon entgegenkommenden Moppeds nur knapp Platz bieten, kurve ich einen herrlichen Pass hinauf. Keine Ahnung welcher. Für meinen Geschmack mindestens so schön wie der Gavia (nicht unser Armin (der ist natürlich schöner, aber schlecht befahrbar 😉 ), sondern der Pass). Oben angekommen bin ich von der Schönheit und der Ruhe beeindruckt und genieße in vollen Zügen.


Auch wieder runter ist genauso schön.
Der nächste Pass ist dagegen geplant und bekannt. Vor ziemlich genau einem Jahr war ich das erste Mal hier. Auf der Passhöhe habe ich dann festgestellt, dass in den Videokameras die Akkus leer waren. Also wird vor der Auffahrt heute noch mal alles geprüft.
Oben angekommen bin ich trotz des Trubels von dem herrlichen Panorama schwer beeindruckt.
Bei dem Wetter noch schöner als beim letzten mal.

Ich denke die meisten haben es schon erkannt.
Hier noch etwas Nachhilfe:

Die Abfahrt vom Stilfser Joch zieht sich etwas, da ich eine Gruppe von ca. 20 Moppeds vor mir habe. Die möchte ich jetzt auch nicht durcheinander bringen. Also nutze ich die Gelegenheit zu einem kurzen Stopp zum Wasser wechseln.
Auf dem Weg zum Wasser los werden muss ich zu Fuß an einer Schranke vorbei. Ich stütze mich auf der Schranke ab. Hmmmm……

Die Hand wieder von der Schranke zu nehmen ist gar nicht so leicht. Recht klebrig. Danach hat meine linke Handfläche auch die gleiche Farbe wie die Schranke. Zum Glück ein schönes Grün und kein hässliches Rot. Aber in meiner jetzigen Situation etwas unpraktisch. Ich hab ein ziemlichen Druck auf der Blase und möchte die Farbe nur ungern auf meine Hose übertragen und schon gar nicht auf das was dahinter kommt.
Also klebe ich erst mal ein paar Flusen meiner Tempotücher dazu und entferne das gröbste. Dann werde ich ohne weitere Farbübertragungen mein Wasser los. Kurz überlege ich ob ich zum Reinigen auf die Hand……???
Nein, doch lieber nicht.

Am Mopped zurück werfe ich einen Blick in den Tankrucksack. Die Beste aller Ehefrauen hat mir ein Insektenabschreckspray mit gegeben. Das müsste doch….
Großzügig auf die Hand gesprüht und mit dem Mikrofasertuch, dass eigentlich für Visier und Brille gedacht war ordentlich gerubbelt. Die Hand wird langsam wieder hautfarben.
Keine Angst. Ich bin Pedant. Natürlich habe ich zwei Mikrofasertücher dabei. :geek:

Danach geht es noch über den Reschenpass, vorbei am Kirchturm im See. Da ist es so voll, dass ich einfach weiter fahre.
Tatsächlich kommt auf dem letzten Stück meiner heutigen Tagesetappe für über 80Km keine Tankstelle. Mit dem letzten Tropfen kann ich mich dann an die erste Tankstelle in Österreich retten. Die 30 km zum Hotel hätte ich nicht mehr gepackt.
Ziemlich fertig laufe nach 448 km und 6,5 Fahrstunden in das Hotel ein.
Das Hotel wird hauptsächlich von Bus fahrenden Rentnervereinigungen genutzt, ist aber sonst ganz passabel.
Nach der Dusche gibt es einen ordentlichen Zwiebelbraten und danach zum einschlafen das erste mal seit einigen Tagen Fernsehen.

Morgen geht’s Heim 😀

Freitag 26.06.2015
Der letzte Tag
Ist relativ schnell erzählt, aber ein Schmankerl hab ich noch.
Nach einem guten Frühstück ab 7:30 komme ich zeitig los. Hier ist doch mehr los als im Auenland.
Auf dem Weg sehe ich zum ersten Mal die Zugspitze. Mit dem Foto klappt es nicht ganz. Eine viel befahrene Straße ist im Weg.

Danach cruise ich ganz entspannt durchs Allgäu.

Schon am ersten Tag auf dem Hinweg kam ich durch den Ort Tigerfeld. Als Tigerfahrer kann man sich denken, dass man da gerne ein schönes Foto machen möchte. Auf dem Hinweg hat es geregnet.
Jetzt ist schönes Wetter und wenig Verkehr also muss ein Foto sein.
Ich schaue mir Ortseingang und Ortsausgang an. Beide bieten eigentlich keinen geeigneten Platz für ein Foto. Na gut dann muss der Tiger eben auf die Wiese. Mit vollem Gepäck.
Ich parke den Tiger auf der Wiese und prüfe den Stand des Seitenständers. Nicht megastabil, aber für ein Foto wird es reichen. Also Helm ab, Kamera gezückt und Position gesucht. Da kippt der Tiger in Zeitlupe. Aber nicht über den Seitenständer, sondern in die andere Richtung. Da knie ich gerade. Ich überlege kurz ob ich zu Seite hechte, aber die Liebe zum Tiger und die Erfahrungen aus Hechlingen (ich durfte dort nicht nur meine 800 GS aufheben, sondern auch mehrmals 1200 GS aus der Gruppe) lassen mich den Entschluss fassen den Tiger aufzufangen. Also Einhändig, die andere Hand hält die Kamera, und mit einem Knie stemme ich mich unter den Tiger. Oh Mann, mit Gepäck doch schon ne Nummer. Im 45° Winkel schaffe ich es die Kippbewegung zu stoppen. Zum Glück habe ich Die Knie-Protektoren. Dann lege ich mit der anderen Hand die Kamera in Gras und stemme die Fuhre zurück.
Das Knie ist leicht geschürft, aber sons alles gut.

Ich hab immer noch kein Foto. Also mit einer Hand das Mopped festhalten, mit der anderen Hand ein Foto versuchen. Ich wollte natürlich eins mit dem Tiger Schriftzug. Das klappt aber in dieser Position nicht.

Ich gebe mich mit dem zufrieden, denn sonst müsste ich erst mal abladen.
Danach geht’s weiter Richtung Heimat.
Um Stuttgart herum macht der Werksverkehr von Bosch, Benz und Porsche in Kombination mit Baustellen etwas Stau. Ich bin noch italienisch eingestellt und fahre an den Schlangen vorbei. Im Gegensatz zu Italien, macht hier aber fast keiner Platz. Aber immerhin gibt es den ein oder anderen der etwas rückt und keiner hupt! Eine deutliche Verbesserung für deutsche Verhältnisse.
Nach einem kurzen Zwischenstopp an einer Tankstelle neben der ein Super Cafe ist, ziehts mich dann nach Hause.
Nach 439km mit 6,5h in Bewegung bin ich sehr glücklich von meinen Mädels empfangen zu werden.[/quote]

Fazit

Apennin/Ligurien/Toskana 😀 😀
Herrlich. Hier war ich nicht zum letzten Mal. Geniale Landschaften. Superleckeres Essen. Nette Menschen. Tolle Strecken. Dazu noch die Mulino. Evtl klappt es hier mal mit einer Kombination aus Mopped und Katermaran. Das stelle ich mir traumhaft vor.

Alleine unterwegs 😕
Das ist nicht mein Ding. Für 2-3 Tage kann das ja ganz nett sein, muss aber nicht. Für eine Woche oder mehr, dann noch in diese einsame Gegend zu Menschen deren Sprache ich nicht spreche. Das ist nicht meins. So lange ich auf dem Mopped sitze ist alles gut. Daz zeigen auch die knapp 1.700 km an sechs Fahrtagen. Das geht wohl nur alleine.
Sobald ich vom Mopped absteige wird es aber langweilig und einsam.


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